Ist mein Kind behindert genug?

Ist mein Kind behindert genug für einen Assistenzhund?

Die Frage wurde (sinngemäß) gestellt und beantwortet im Facebook-Forum einer großen, französischen Assistenzhunde-Organisation namens Handi’Chiens.

Die Mutter eines erkrankten 15-jährigen Kindes, das mit dem Schicksal seiner Krankheit hadert und bisher durch einen 10 Jahre alten Golden Retriever getröstet, motiviert und unterstützt wurde leidet nun zusätzlich unter dem Verlust des Hundes.
Der Hund ist verstorben.

Die Mutter fragt nun bei Handi’Chiens an ob die Möglichkeit besteht in das Programm aufgenommen zu werden; sie war bisher der Meinung das nur schwerbehinderte Menschen in die Vermittlung eines Assistenzhundes kommen.

Die Antwort kam unmittelbar: Für jede Behinderung, für jeden Lebensweg gibt es einen oder mehrere Handi’Chiens dem Profil entsprechend. Ein Assistenzhund für eine motorische Beeinträchtigung, Rollstuhl hin oder her. (“Pour chaque handicap , pour chaque mode de vie il y a , TOUJOURS , un ou plusieurs handi’chiens qui correspondent à ce Profil. Chien d’assistance pour des personnes atteintes d’un handicap moteur , fauteuil roulant ou pas.”)

Wichtig ist, das die Beziehung zwischen Hund und Mensch funktioniert, was bei Handi’Chiens in einem 15-tägigen Training fest gestellt wird.

Die Versorgungslage in Deutschland mit Assistenzhunden sieht, gelinde formuliert, nicht rosig aus. Organisationen wie Vita Assistenzhunde bspw. verdienen höchsten Respekt, die Anzahl der Hunde, die von Vita im Jahr an ihre Menschen abgegeben werden, kann man an 1-2 Händen abzählen, Wartezeit 7 und mehr Jahre.

Wer immer auch für sich entscheidet, das die Einschränkungen und Belastungen seiner Krankheit, sei es direkt oder indirekt, durch einen Hund gemindert werden können, sollte nicht zögern sich zu informieren, in welcher Form es ihm möglich ist, einen Hund zu erhalten; ihn ggf. selbst oder / und mit fachlicher Begleitung auszubilden und dann in den Genuss eines auf die individuellen Anforderungen ausgebildeten Assistenzhundes kommen.

Es darf keine Frage sein, ob das Maß der Behinderung ausreicht.
Es darf auch keine Frage sein, wie der Hund ausgebildet werden kann: da bestehen viele Möglichkeiten, von der vollen Fremdversorgung bis zur umfassenden Eigeninitiative! (sich informieren ist alles!)

Leider ist es eine nicht unerhebliche Frage, wie das Ganze finanziert werden soll: Kostenübernahme der gesetzlichen Krankenkassen nur für Blindenführhunde!
Für alle anderen gilt: es bestehen viele Möglichkeiten, informieren ist alles!

Petition 39008 – was lange währt …

Lange ist es her – dass Herrchen mit einer online Petition einen ersten Schritt zur Verbesserung der rechtlichen Situation des Assistenzhundes unternommen hat: hier der Link zum Artikel damals.

Jetzt, nach über einem Jahr, hat der Bundestag entschieden und in einem Schreiben an den Petenten (Herrchen) die Entscheidung mitgeteilt. Das Ergebnis ist nicht schlecht: zwar hat der Bundestag entschieden, die Petition abzulehnen, aber mit der Begründung, dass hier kein Handlungsbedarf besteht, weil die geforderte rechtliche Gleichstellung aller Assistenzhunde (geforderte Gleichstellung des Behindertenbegleithundes mit dem Blindenhund) bereits gegeben ist!

In der ausführlichen Begründung liegt aber das freudige Resultat, weil hier detailliert und mit Rechtsverweisen dargelegt wird, dass “Behindertenbegleithunde und andere Assistenzhunde […] der Sicherheit und der Erhaltung der Existenz des Tierhalters dienen und insbesondere dem Behinderten erst ermöglichen, seine Arbeitsstelle, eine Arztpraxis oder einen Supermarkt zu erreichen.”

Soweit es den Haftungsausschluss nach §833 BGB betrifft: die Ausführungen im Schreiben erläutern, dass es ausreicht, “dass das Nutztier […] dem Unterhalt des Tierhalters zu dienen bestimmt ist.” Dies trifft bei allen Assistenzhunden zu, damit fallen entsprechend alle Assistenzhunde unter die Bestimmung des §833 BGB.
Der vollständige Text des Schreibens kann hier im Original betrachtet werden.

Von besonderem Interesse wird das Schreiben aber, wenn es unter dem Aspekt der Kostenübernahme aller Assistenzhunde durch die gesetzlichen Krankenkassen betrachtet wird: zum ersten Mal liegt Herrchen ein offizielles Schreiben der Legislative vor, das Blindenführhunde u.a. mit Behindertenbegleithunden gleichstellt!
Bislang stellt sich die Situation bekanntermaßen so dar, dass ein Sehbehinderter, der zur Wahrung seines persönlichen Lebensunterhalts auf einen Hund angewiesen ist, die Kosten für Anschaffung und Unterhalt durch die gesetzlichen Krankenkassen erstattet bekommt. Ein körperlich Behinderter mit eingeschränkten motorischen Fähigkeiten oder ein Diabetiker mit erhöhtem Gefährdungspotential aber, die auch zur Wahrung ihres persönlichen Lebensunterhaltes auf einen Hund angewiesen sind, müssen diese Kosten selber tragen!
An der Stelle darf dann auf den Text des oben genannten Schreibens verwiesen werden, in dem formuliert wird, dass ” … der Zweck des Unterhalts zu bejahen [ist], wenn der Hund dafür benötigt wird, die zur Sicherung der Lebensgrundlagen erforderlichen Wege […] auszuführen.”
Lebensgrundlage besteht anerkanntermaßen aus Einkäufen, Arztbesuchen und Teilhabe am öffentlichen Leben im Vergleich zu dem, was ein Nichtbehinderter an Möglichkeiten wahr nehmen kann!

Mit welchem Grund wollen die gesetzl. Krankenkassen dann noch die Kostenübernahme für einen Behindertenbegleithund verweigern? Ganz einfach: aus Gründen der Qualitätssicherung nach §139 SGB V!
Für den Blindenführhund besteht der organisatorische Hintergrund wie ein Sozialverband, der die Anforderungen an einen Blindenführhund beschreibt (Aufgaben, Fähigkeiten/Fertigkeiten, Voraussetzungen, Prüfungsvorgaben, …), Anforderungen an die Bereitstellung des Hundes durch entsprechend akkreditierte Züchter oder Sicherheit der Nachbetreuung.

Um andere Assistenzhunde auch in den Vorteil der Kostenübernahme einzubeziehen, muss hier noch einiges an Arbeit geleistet werden:

  • Definition des Assistenzhundes: um hier eine möglichst offizielle Anerkennung zu erhalten, sollte ein Dachverband die Aufgaben definieren, die ein Assistenzhund als Hilfe zum Lebensunterhalt für einen Betroffenen mit dem Krankheitsbild des Dachverbandes geben können muss!
  • Es müssen diejenigen Organisationen, die Assistenzhunde ausbilden, bereit sein, sich die Eignung ihrer Hunde für die Bedürfnisse des Behinderten durch den jeweiligen DV bescheinigen zu lassen.
  • Diese Organisationen, oder ein anerkannter Stellvertreter des DV, müssen die Anerkennung als Hilfsmittel bei den GKV beantragen.
  • Eine Nachbetreuung des Team Behinderter / Assistenzhund muss zwischen der Organisation und dem DV vereinbart werden.

Kann doch alles nicht so schwer sein? Leider doch! Weil in der “Szene” der Assistenzhunde nicht an einem Strang gezogen wird, die Erkenntnis eines gemeinsamen Interesses ist nicht vorhanden, hier herrscht extremes Konkurrenzdenken!
Was ist erforderlich um hier alle unter einen Hut zu bekommen mit dem Ziel, allen Bedürftigen, unabhängig des finanziellen Hintergrundes, ihren Assistenzhund ermöglichen zu können?

Was ein Hund für seinen Menschen tun kann …

Clifford Morey, 29 Jähriger Sys-Admin in den USA, leidet nach einem Unfall an einem neurologischen Defekt, der seinen linken Arm völlig gefühllos macht und ihn mehrmals am Tag bewusstlos umfallen lässt, gefolgt von starken Schmerzen.

Er selber merkt einen drohenden Anfall höchstens 3 – 4 Minuten, bevor er geschieht. Zu wenig Zeit, um sich auf den Anfall vorzubereiten.
Sein Arzt empfahl ihm sich zu informieren, ob ein Assistenzhund helfen könnte.

Seit Buz, ein 20 Monate alter Deutscher Schäferhund, bei ihm ist, beträgt die Vorlaufzeit 20 Minuten, was Clifford die Möglichkeit gibt sich länger auf einen Anfall vorzubereiten. Die Schmerzen sind dann weit weniger intensiv. Clifford kann jetzt Spazieren gehen, Buz warnt ihn rechtzeitig bevor ein Anfall kommt und informiert ihn, dass es jetzt besser wäre sich eine Sitzgelegenheit zu suchen.
Einmal, während eines Telefonats, bellte Buz ihn an. Anschließend wurde Clifford von seinem 50 Kilo Hund an die Wand gedrückt und so am Umfallen gehindert. Seine Frau befand sich zu diesem Zeitpunkt am anderen Ende des Hauses.

Buz kann drohende Anfälle weitaus früher bemerken als es Herrchen selber könnte. Das mindert wesentlich die Schwere der Nachwirkungen und der Schmerzen und das Leiden seines Herrchen. Buz gibt Clifford die Sicherheit, auch außerhalb des Hauses am Alltagsleben teilnehmen zu können. Man kann sich vorstellen, das auch die Lebensqualität von Cliffords Frau gestiegen ist, weil sie sich weniger Sorgen um ihren Mann machen muss.

Buz ist immer an der Seite seines Herrchens.

Original Story unter
http://www.robins.af.mil/news/story.asp?id=123371819

Die Ausbildung trägt erste Früchte …

Ein selbstbestimmtes Leben führen – ohne auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein.
Für Nichtbehinderte eine Selbstverständlichkeit, die selten bewusst ist. Für Behinderte oft ein Wunschtraum.

Lyras Ausbildung trägt erste Früchte, sie ist Frauchen schon eine bedeutende Hilfe in verschiedenen Situationen.
Morgens, 6 Uhr, der Wecker hat geklingelt. Aufstehen ist angesagt. Morgens benötigt Frauchen Hilfe beim Aufstehen und Anziehen. Normalerweise Herrchens Job, Herrchen ist aber heute morgen nicht da. Also wurde eine Pflegehilfe für 6 Uhr geordert.
Nun ist es 6 Uhr, die Pflegehilfe noch nicht da.
Ohne Lyra müsste Frauchen warten, bis die Pflege kommt, bevor sie irgendetwas anfangen kann. So kann ihr Lyra schon Mal beim Aufrichten helfen und die Bettsocken ausziehen.
Abends beim Gang ins Bett wäre eigentlich wieder Hilfe beim Ausziehen erforderlich. Dank Lyra ist eine Pflegehilfe nicht nötig, das erledigen Frauchen und Lyra selbstständig wenn Frauchen danach ist.

Anderes Beispiel: die Tage werden kälter, Frauchen hat im Wohnzimmer schon die Heizung an und will die Tür geschlossen halten.
Jetzt hat sie es sich endlich auf der Couch gemütlich gemacht. Leider vergessen, die Wohnzimmer Tür zu schließen. Normalerweise müsste sie sich wieder von der Couch in den Rolli bemühen, die Tür schließen, dann wieder aus dem Rolli umsetzen auf die Couch.
Dank Lyra nicht nötig. Lyra schließt auf Kommando die Tür.

Ein Fußgänger kann nicht ermessen, welche Hilfe ein Hund einem Behinderten bieten kann. Und dabei ist der Trost, wenn Frauchen ohne Herrchen allein zu Hause ist und mit Lyra knuddeln kann nocht nicht berücksichtigt!